G. de Haan

Prof. Dr. Gerhard de Haan

Lundi, 29.06.2015 / 14:00 – 16:00 / OLMA-Messen, Halle 9.1.2

Theorie der Bildung für das 21. Jahrhundert

„Zukunft“, so formulierte es einst Klaus Mollenhauer, „ist die integrale pädagogische Kategorie, von der alles abhängt“. Bildung müsste demnach für ein künftiges Selbst- und Weltverständnis stehen, gewinnt aber, so der Eindruck, ihre Orientierungen primär aus der Vergangenheit. Wenn von Bildung gesprochen wird, so verbindet sich das bisher mehr mit vertieften Einsichten in die Tradition des Humanitären (Liessmann, von Hentig) als mit deren Zukunft. Bildung richtet sich traditionell auf Wahrheit, Selbsterkenntnis und Bewährung.
Eine Theorie der Bildung wäre dem 21. Jahrhundert aber eher angemessen, wenn sie ein Selbst- und Weltverständnis propagiert, das auf Veränderung insistiert: Sowohl der eigenen Person, wie auch des Umfeldes, der Verhältnisse. Bildung wäre dann so zu verstehen, dass sie auf das Ersetzen einer unbefriedigenden Gegenwart durch befriedigendere Zukunft hinauskäme. Damit haben Experimentierfreude und Verwunderung den Primat. Bildung sollte sich, so wird argumentiert, nicht um Gewissheiten kümmern, sondern um Phantasie und Gestaltungsfähigkeit. Es geht in Zukunft in der Bildung weniger darum abzusichern, dass das, was man glaubt, gut begründet ist als darum zu fragen, welche Alternativen zu vorherrschenden Überzeugungen, vermeintlichen Wahrheiten und Realitäten generiert werden können.

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